European Championship in Frankfurt 2015

Hitzeschlacht beim Ironman

  

Als Dr. Michael Röhrs vom Triathlonverein Heidekreis vor einem Jahr einen Startplatz für die Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt erhielt, ahnte er noch nichts davon, dass der Wettkampf an einem der heißesten Tage, die es jemals in Deutschland gegeben hat, stattfinden sollte. Auf der zweiten Radrunde nach 145 Kilometern brannte die Sonne so brutal, dass der Schneverdinger an einer Freiluftdusche eines Anwohners anhielt, seinen Helm absetzte und sich komplett durchnässen ließ, um die letzten 35 Radkilometer durchzustehen. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits mehr als zehn Prozent der über 3.000 gemeldeten Athleten auf einen Start verzichtet und viele weitere nach dem Schwimmen das Rennen beendet. In Röhrs´ Altersklasse M 50 kamen nur 59,2 Prozent der Triathleten, die ihre Startunterlagen abholten, ins Ziel.

Begonnen hatte der Wettkampf mit dem Schwimmen über 3.800 Meter im Langener Waldsee im Süden Frankfurts. Wegen der Wassertemperatur von 26,8 Grad war das Tragen von Auftrieb spendenden Neoprenanzügen verboten, was die Startdisziplin für viele Sportler zusätzlich erschwerte. Nach der ersten Runde über 1.500 Meter und einem kurzen Landgang mussten in der zweiten Schleife 2.300 Meter geschwommen werden. Röhrs durfte in seinem vierzehnten Ironman in der Welle direkt nach den Profis starten. In der mit 500 Schwimmern relativ kleinen Startgruppe hatte er ungewohnt viel Platz, aber Schwierigkeiten mit der Orientierung führten zu einigen Umwegen. Auch weil er angesichts der zu erwartenden Belastungen sehr defensiv schwamm, blieb seine Schwimmzeit mit 1:26:35 Stunden mehr als zwanzig Minuten über seiner Bestzeit.

Die wellige Radstrecke war durch sechs Anstiege über insgesamt 1.145 Höhenmeter sowie eine zweimal zu durchfahrende 300 Meter lange Kopfsteinpflasterpassage gekennzeichnet. Für den Heidekreisathleten lief es trotz zurückhaltender Fahrweise zunächst sehr gut, denn mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ungefähr 31 Kilometern/Stunde bewältigte er die ersten 110 Kilometer. Danach reduzierte er sein Tempo unter der prallen Sonne deutlich und erreichte nach 6:18:46 Stunden die zweite Wechselzone am Mainkai.

Bei einer auf knapp unter vierzig Grad im Schatten gestiegenen Quecksilbersäule ging es auf die Laufstrecke, auf der jedoch nur wenige schattige Abschnitte vorzufinden waren. Röhrs hatte auf der ersten Laufrunde einige Schwächephasen zu überwinden und benötigte für die 10,5 Kilometer 1:45 Stunden. Gegen Mitte der zweiten Runde erholte er sich und erhöhte sein Lauftempo leicht. Obwohl das Ziel am Römerberg angesichts des Laufs über insgesamt 42,195 Kilometer mit acht Flussüberquerungen über den Main noch weit entfernt war, spürte der Schneverdinger, dass er die Finish Line trotz seines zwischenzeitlichen Tiefs erreichen kann. An den zahlreichen Verpflegungsstationen versorgte und kühlte er sich mit Energiegetränken, Cola, Wasser und Eiswürfeln.

Als er nach 13:53:50 Stunden in den Zielbereich einlief, kannte sein Jubel keine Grenzen, denn obwohl seine Zeit deutlich langsamer als bei bisherigen Ironmanrennen war, war die Tatsache, an diesem Tag den Wettkampf erfolgreich zu beenden, wertvoller als so manche unter günstigeren Bedingungen aufgestellte Bestzeit. In seiner Altersklasse landete Röhrs auf Rang 172 und in der Gesamtwertung auf Platz 1.701.

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